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Rückschau auf die Zukunft: mit dem Wirtschaftsausschuss in San Francisco

Rückschau auf die Zukunft: mit dem Wirtschaftsausschuss in San Francisco

Andreas übergibt ein Gastgeschenk an Vertreter*innen aus San Francisco

Es gibt eine Sage der autochtonen Menschen Amerikas. Bei einer Reise bewege sich der Körper schneller, als es der Geist vermag. Daher braucht es nach Ankunft am Zielort eine Zeit, in der Geist zum Körper zurückfindet. Entsprechend, so sagt man, warten sie eine Weile, bis sie über eine Reise urteilen.

Mit dem Wirtschaftsausschuss des Landtags Schleswig-Holstein sind wir nun seit rund drei Wochen zurück aus San Francisco. Was im politischen Tagesgeschäft eine relativ geringe Zeitspanne bedeutet reicht aber aus, um die vielen positiven Eindrücke und die spannenden Herausforderungen der Stadt und ihrer Einwohner*innen zu verarbeiten und sie für unsere zukünftige Wirtschaftspolitik in Schleswig-Holstein zu sortieren. Gerade auch in Bezug auf die Verkehrspolitik, die Umweltpolitik und die Innovationskraft im Echten Norden war die Reise ein Gewinn, der im Geiste des Austausches, der internationale Zusammenarbeit und Völkerverständigung unsere beiden Regionen noch näher zusammengebracht hat.

Gute Voraussetzungen für einen produktiven Austausch

Unsere noch recht junge Partnerstadt an der Westküste der USA ist berühmt für ihre spezielle Atmosphäre und Kultur. Hier sprudeln neue Ideen und weltweit erfolgreiche Innovationen werden zur Marktreife gebracht. Besonders das Silicon Valley im Süden der San Francisco Bay Area sticht heraus. Darum haben wir zusammen mit Vertreter*innen von Firmen, Verbänden und der Wissenschaft aus Schleswig-Holstein dort unter anderem den Motivatoren dieser Unternehmenskultur, den Start-Up-Beschleunigern German Accelerator und Plug and Play, einen Besuch abgestattet. Mit diesen Firmen hat Schleswig-Holstein seit diesem Jahr eine Kooperation, um bei uns im Norden frischen Wind ins Thema Digitalisierung und Arbeitsmarkt zu bringen. So bleiben wir im Austausch und am Puls der Zeit.

Andreas Tietze beim us-amerikanischen Start-Up-Beschleuniger Plug And Play

Mit San Francisco teilen wir eine topografische Besonderheit. Genau wie der Echte Norden liegt auch San Francisco umgeben von Meer. Gerade für das Thema Verkehr und erneuerbare Energien spielt der weitläufige Hafen am nordöstlichen Ende der Stadt eine wichtige Rolle. Hier zeigt sich besonders deutlich, warum unsere Partnerschaft besteht. Ähnliche Situation, ähnliche Notwendigkeiten und daher auch ähnliche Positionen: Nachhaltige Innovationen sollen einer Zukunft dienen, welche die Vorteile einer sozial, ökologisch und ökonomisch sinnvoll gestalteten Digitalisierung verwirklicht und den Herausforderungen einer Mobilität der Zukunft mutig begegnet.

In Gesprächen mit den Vertreter*innen des Hafens von San Francisco wurde unter anderem deutlich, wie wichtig unser Austausch für den internationalen und interregionalen Ideentransfer ist. Beispielsweise im Schiffbau zeigt die Golden Gate Zero Emission Marine, die eine brennstoffzellenbetriebene und daher emissionsfreie Fähre entwickeln, wie es geht. Und Opus 12, eine Start-Up mit dem Ziel der Gewinnung von Rohstoffen aus CO2, setzt auf „disruptive Innovation“ und dreht den CO2-Spieß einfach um. Mit Opus 12 streben wir zukünftig eine Kooperation im Rahmen des Projektes Reallabor Westküste 100 an.

„Wir waren im besten Sinne Botschafter für unser Bundesland und haben zahlreiche Kontakte knüpfen können.“

Wir haben das Profil Schleswig-Holsteins und unsere Qualitäten im Land im Verständnis unserer Partnerregion weiter geschärft. Unser Netzwerk von Ausbildungsstätten und Hochschulen bietet etwa eine attraktive Workforce und damit die besten Voraussetzungen für Innovationen und Entwicklungen an unserem Standort zwischen den Meeren. In den zukunftsorientierten Industrie-Clustern der Biotechnologie, der Erneuerbaren Energien und Umwelttechnologie, der maritimen Industrie sowie der Life Sciences steckt viel Potential, das auch in Übersee auf Interesse stößt.

Unsere Pläne zum Ausbau der Verkehrsnetze und unsere Maßnahmen für die verbesserte Anbindung von Stadt und Land stehen für ein Schleswig-Holstein, das alle mitnimmt. Dieser Geist der Offenheit ist auch in San Francisco zu spüren. Komplementär zur WTSH (der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH) arbeitet in der Bay Area das NGIO (Northern Germany Innovation Office) und vermittelt Wirtschaftschancen im internationalen Austausch. So wird es besonders für kleine und mittlere Unternehmen einfach, von der Regionalpartnerschaft zu profitieren.

Auch in Zukunft bleiben die Regionen am Wasser gute Partner

Schleswig-Holstein ist Stützpunkt im internationalen Netzwerk für elektrische und autonome Mobilität sowie für innovative und nachhaltige Wirtschaftslösungen. Diese Position weiter auszugestalten ist dringend geboten, um den Klimawandel wirksam zu bekämpfen. Effektive Lösungen können wir hier nur gemeinsam finden, denn CO2 und andere Treibhausgase machen nicht an Grenzen halt.

Um mit den schnellen Entwicklungen der Digitalisierung mitzuhalten ist es darüber hinaus wichtig, die eingeschlagene Richtung zu mehr Innovation im IT-Sektor für Schleswig-Holstein zu forcieren. Wir bleiben am Ball und stellen uns den Herausforderungen des digitalen Zusammenlebens, dazu trägt der Austausch mit unseren Partner*innen in hohem Umfang bei. Technologie und Wissen müssen international wie interdisziplinär neue Wege gehen, um zukünftigen Herausforderungen mit Zusammenarbeit zu begegnen.

Vertreter*innen des Wirtschaftsausschusses zusammen mit den Gastgeber*innen

Gerade im Hinblick auf die neu entstandene Partnerschaft der Regionen am Wasser, aber auch vor dem Hintergrund der 70-jährigen deutsch-amerikanischen Beziehungen, deren Bedeutung in politisch herausfordernden Zeiten nicht zu unterschätzen ist, zählt der Aufbau persönlicher Beziehungen und die Information vor Ort zu einer wichtigen Maßnahme für Zusammenarbeit und Völkerverständigung. Wir waren im besten Sinne Botschafter für unser Bundesland und haben zahlreiche Kontakte knüpfen können. Für mich persönlich bleibt die Reise eine eindrucksvolle Erfahrung, die auch rückblickend inspiriert und anspornt, für eine Mobilität der Zukunft, für die Energiewende und für eine nachhaltige internationale wie regionale Wirtschaft zu kämpfen.