Das beste Recycling ist das, was man durch Vermeidung gar nicht erst braucht

Das beste Recycling ist das, was man durch Vermeidung gar nicht erst braucht

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Pressemitteilung Nr. 257.20 · Es gilt das gesprochene Wort! TOP 23+48 Für Nachhaltigkeit im öffentlichen Bauwesen. Verwendung von Recyclingbaustoffen im Straßen- und Wegebau stärken. Dazu sagt der baupolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Andreas Tietze:      

Liebe Kolleg*innen,

fachlich ist es ganz einfach. Recycling, also das Wiederverwenden von Materialien, ist sinnvoll. Es reicht allerdings alleine nicht aus, um die Klima- und Umweltprobleme zu lösen. Wir fordern das Cradle-to-Cradle-Prinzip, ein Ansatz für eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft. Cradle-to-Cradle orientiert sich an den fünf Grundkriterien: Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit, erneuerbare Energien, Verantwortungsvoller Umgang mit Wasser und soziale Gerechtigkeit.

Das Recycling von Baustoffen ist also nur ein kleiner Teil einer viel wichtigeren Transformation: unserer Art zu leben.

Dennoch, und das begrüßen wir, ist das Baustoffrecycling mittlerweile im hohen Interesse der Bauträger, denn alles, was man wiederverwendet, muss man nicht teuer entsorgen und alles, was man durch Recyclingstoffe ersetzt, muss man nicht teuer neu kaufen. Und wenn das auch noch vor Ort geschieht, spart das sogar noch die Transportkosten. So weit so gut.

Das bundesweit eingeführte Regelwerk der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) wird vom LBV.SH nicht nur konsequent angewendet, sondern der LBV stellt auch im Internet eine Liste güteüberprüfter ,,Gesteinskörnungen“ für alle Kommunen und Ingenieur*innenbüros zur Verfügung.

Ihr Antrag ist also schlicht überflüssig, weil er nur abkupfert, was die Landesregierung ohnehin schon tut. Sie reden von Nachhaltigkeit und glauben, ein wenig mehr Recycling beim Bau reicht dazu. Ein solcher grüner Anstrich ist keine Nachhaltigkeit, sondern nur Greenwashing.

Und damit komme ich zum Kern meiner Kritik an ihrem Antrag. Der Schlüssel liegt nicht in der Recyclingquote, sondern gerade auch in der Verringerung des Bedarfes. Das beste Recycling ist das, was man durch Vermeidung gar nicht erst braucht, denn

  • fünf Kilometer Autobahn brauchen eine Million Tonnen Baustoffe.
  • der Straßenverkehr ist mit über einem Drittel der größte Verursacher von Mikroplastik. Vieles davon landet im Meer und damit in unseren Fischen.
  • egal ob Schadstoffe, Lärm, ganz zu schweigen vom Klima: überall ist der Straßenverkehr ganz vorne mit dabei.

Deshalb fragen wir Grüne:

  • Wie viel Verkehr, wie viele Wege brauchen wir überhaupt, um gut leben zu können?
  • Wie können wir mit Digitalisierung, Sharing und mehr Regionalität und Saisonalität die Anzahl und Länge von nötigen Wegen senken?
  • Wie können wir mit einem intermodalen Netzplan die Infrastrukturen optimieren?

Aber solche Fragen der politischen Vernunft sind Ihnen ja völlig wesensfremd. Stattdessen bejammern Sie den ,,Dieselmord im Öko-Wahn“ und diffamieren die Sorgen der Menschen um das Klima als ,,Hysterie“:­ Klimaleugnung pur. Oder wenn ihr Fraktionsvorsitzender schwadroniert, Klimawandel gäbe es schon immer in der Weltgeschichte, und dabei völlig den von Menschen gemachten Klimawandel ausblendet. Absurd.

Schmelzendes Kontinentaleis, Warnungen der international renommierten Klimawissenschaftler*innen diffamieren und ignorieren Sie. In Ihren Augen alles Fake-News. Ihre Verschwörungstheorien braucht niemand. Nehmen Sie zur Kenntnis, so wie wir leben, brauchen wir über drei Planeten.

Ihr Antrag ist schlichte Ökotrittbrettfahrerei, Ihre ganze Politik ist rückwärtsgewandt und klimawandelleugnend. Ersparen Sie uns bitte Ihre Schaufensteranträge und Ihre geheuchelte Pseudoökologie.

Pressemitteilung zum Downloaden (PDF)