Landtags-Rede zum Nord-Ostsee-Kanal

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Andreas Tietzes Rede zum Nord-Ostsee-Kanal

Pressemitteilung Nr. 417.12 · Rede zu Protokoll gegeben! TOP 16 – Nord-Ostsee-Kanal als Schleswig-Holsteins maritime Lebensader stärken. Dazu sagt der verkehrspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Andreas Tietze:

Sehr geehrte Damen und Herren,

jährlich werden 85 Millionen Tonnen Fracht auf dem Nord-Ostsee-Kanal verschifft, der NOK erspart 450 Kilometer Umweg und der Umwelt gut eine halbe Million Tonnen CO2 pro Jahr. Gleichzeitig sinkt dadurch die Gefahr von Schiffsunfällen in der Ostsee. Deshalb hat meine Fraktion den NOK auch immer unterstützt.

Das ist gut, doch nicht gut genug: Die Schifffahrt emittiert pro Tonne weniger CO2 als LKW, aber auch sie muss CO2 und Schadstoffe reduzieren. Die Technik dazu gibt es längst: Wasserstoff, synthetische Treibstoffe und Hybrid-Antriebe wie bei den Fähren am Fehmarnbelt. Jede neue Technologie braucht aber eine Starthilfe. Gebühren mit Preissignalen könnten hier helfen.

Trotz seiner Bedeutung ist der Kanal für große Schiffe praktisch nur einspurig. Umso wichtiger und erfreulicher ist der vom Bund geplante Ausbau. Gerade die halbe Milliarde Euro für die Oststrecke sorgt nicht nur für mehr Platz, sondern auch für mehr Sicherheit. Die meisten Strandungen in der Böschung erfolgen in diesem Engpass. Meist passiert nichts Schlimmes, aber der Kanal ist stundenlang gesperrt, weil man erst auf einen Schlepper warten muss.

Doch nicht nur Breite zählt. Die Knotenpunkte, also die Schleusen, sind die Achillesferse: In Kiel kommen Tourismusboote derzeit nur je einmal am Vor- und am Nachmittag durch. Vor der Sanierung der großen Kammern in Kiel müssen die beiden kleinen für 315 Millionen Euro ersetzt werden. Brunsbüttel baut für 1,2 Milliarden Euro eine neue große Schleusenkammer, bevor man sich überhaupt an die beiden existierenden machen kann. Die Gesamtkosten des Kanalausbaus haben sich von 2014 bis heute von 1,5 Milliarden Euro auf 2,6 Milliarden Euro aufsummiert.

Zugenommen haben auch gefühlt die Schiffsunfälle. Erst letzte Woche Montag kollidierte ein Containerschiff in der Großen Südschleuse in Brunsbüttel. Es entstand ein erheblicher Schaden. Ein Viertel der Havarien passiert in den Schleusen. Zum Glück sind 90 Prozent davon Bagatellen, aber einige Male im Jahr sind die Tore betroffen. Brunsbüttel hatte 2015 ein halbes Jahr Stau, weil in zwei Monaten beide Nordtore kaputtgingen und es nur ein Reservetor gibt.

Es scheint gerade der Wurm drin zu sein, wir brauchen mehr Resilienz im System: Ersatzteile müssen schnell verfügbar sein, Reparaturen müssen ohne Verzögerungen erfolgen. Unabhängig vom Bauzustand können aber auch schon die „Soft Skills“ verbessert werden: Eine bessere Koordination vor den Schleusen erhöht die Kapazität und reduziert das Warten, Internet-Buchungen statt der Fahrkartenautomaten oder dem Barverkauf beim Schleusenpersonal, Mehr Marketing für den Kanal im Tourismus und der Wirtschaft.

Sehr geehrte Damen und Herren,

bei allen Baustellen mit dem NOK stelle ich fest: Es gibt zwar Havarien, aber bei über 30.000 Schiffen im Jahr ist der Kanal ein sehr sicherer Verkehrsweg. Die Bedeutung für die Umwelt, die Wirtschaft und den Tourismus ist sehr hoch. Sein Ausbau ist das wichtigste Verkehrsprojekt in Schleswig-Holstein. Wer Infrastruktur nicht vorausschauend wartet, bekommt am Ende die dicke Rechnung. Lassen Sie uns gemeinsam für weitere Verbesserung kämpfen und für unseren Kanal werben.

Darauf zielt unser gemeinsamer Antrag. Und es zeigt sich mal wieder beim NOK, da beißt die Maus keinen Faden ab: wir stehen in diesem Haus zusammen. Auch in der Corona-Krise hat der Bund seine Unterstützung für den NOK durch die Aussetzung der Befahrensabgaben für das gesamte Jahr 2021 in Höhe von 21 Millionen Euro verzichtet, um die Attraktivität des NOK nachhaltig zu steigern. Dafür möchten wir uns, bei aller Klage, die wir hier manchmal gegenüber dem Bund äußern, auch einmal bedanken. Gerade die existenzbedrohlichen Einnahmeverluste für unsere Lots*innen, Kanalsteurer*innen und Schiffsmakler*innen und für die Hafenstandorte Kiel und Brunsbüttel konnten so abgemildert werden. Der NOK Sichert über 3.000 Arbeitsplätze und schafft eine hohe Bruttowertschöpfung für unser Bundesland.

Das ist uns allen hier bewusst und daher ist es gut, dass wir zusammenstehen und unseren NOK zukunftssicher machen. Unseren 125. Geburtstag in diesem Jahr konnten wir aufgrund der Pandemie nicht angemessen feiern – hoffen wir mal das wir das im nächsten Jahr nachholen können.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit